1. Startseite
  2. Selbstmanagement
  3. Produktivität
  4. Digitale Lehre und Lernmotivation

Digitale Lehre und Lernmotivation

Schlussfolgerungen für die Praxis aus der Selbstbestimmungstheorie (Deci & Ryan, 2006)

Hintergrund: Es ist wichtig, auch virtuelle Lehre so zu gestalten, dass sie von Studierenden als motivierend erlebt wird. Konkrete Gestaltungshinweise liefert die Selbstbestimmungstheorie von Edward Deci und Richard Ryan, nach der sich Lernmotivation durch die Befriedigung von drei psychologischen Grundbedürfnissen generiert: dem Bedürfnis nach Kompetenzerleben, sozialer Eingebundenheit und Autonomie. Anders gesagt, beeinflussen Lernumgebungen die Motivation zu lernen dann positiv, wenn sich die Lernenden als wirksam und kompetent erleben, sie sich mit anderen verbunden fühlen, mit diesen interagieren können und sie das Gefühl haben, das eigene Handeln selbst bestimmen zu können.

Praktische Tipps für die Gestaltung virtueller Lehre

1. Kompetenzerleben

  • Kompetenz kann besonders in der Bearbeitung von Aufgaben mit angemessener Schwierigkeit erlebt werden. Setzen Sie Aufgaben ein, die herausfordernd, aber nicht überfordernd sind. Vor allem zu Beginn einer Lehrveranstaltung helfen Erfolgserlebnisse, Demotivation auf Studierendenseite zu vermeiden.
  • Positive Rückmeldungen auf Leistungen und wahrnehmbare Erfolgserlebnisse bewirken, dass sich Studierende als fähig und wirksam erleben können. Gleichzeitig helfen Rückmeldungen das Lernen systematisch zu gestalten. Planen Sie systematisch informierendes Feedback (d. h. Feedback entlang transparenter Kriterien) zu Arbeitsergebnissen oder dem individuellen Lernstand ein. Nutzen Sie hierfür die Optionen digitaler Lernplattformen, zum Beispiel:
    • Self-Assessment des eigenen Wissensstands (Beispielfunktionen in OLAT: „Selbsttest“, „Lernkartei“)
    • Feedback durch andere Studierende (Beispielfunktionen in OLAT: „Peer-Review“ als Teil einer „Aufgabe“, Kommentare in „Blog“ oder „Forum“, Diskussionsseiten zu Wiki-Artikeln)
    • Feedback durch Lehrende oder tutorielle Beratung (Kommentierungen per Email; Beispielfunktionen in OLAT: Bausteine „Bewertung“ und „Rückgabeordner“ als Teile einer „Aufgabe“)
  • Feedback kann dabei schriftlich, aber auch über Audio oder Video realisiert werden, asynchron (Beispielfunktionen in OLAT: „Test“ und „Selbsttest“ (= nicht-öffentliches automatisches Feedback); „Aufgabe“, „Portfolioaufgabe, Baustein Bewertung“ (= nicht-öffentliches manuelles Feedback); Kommentare und Diskussionsbeiträge in „Forum“, „Dateidiskussion“, „Blog“, „Podcast“, „Wiki“ (= öffentliches Feedback) oder synchron (z.B. über Zoom). Nutzen Sie die Informationen auch für die Anpassung Ihrer Lehre, indem Sie z.B. Informationen zu häufigen Fehlern für alle im Forum zur Veranstaltung bereitstellen oder die den Fehlern zugrundeliegenden Missverständnisse in einer der nachfolgenden Lerneinheit thematisieren.
  • Ein sehr breites Informationsangebot (Rahmeninformationen, Videoaufzeichnungen, Basis- und vertiefende Texte, Literaturangaben, Aufgaben etc.) kann in der virtuellen Lehre überfordernd sein, dadurch das Kompetenzerleben verringern und demotivieren. Dies können Sie vermeiden, indem Sie beispielsweise:
  • Inhalte/Materialien über die digitale Lernplattform erst dann freigeben, wenn diese für eine Lerneinheit benötigt werden. Nutzen Sie dazu die entsprechenden Freigabeoptionen in der Lernplattform (Beispielfunktion in OLAT: Terminabhängigkeit in Sichtbarkeit oder Zugang eines Bausteines). Der Zugang zu Inhalten/Materialien kann auch an die Erfüllung bestimmter Leistungen geknüpft werden (Beispielfunktion in OLAT: bewertungsabhängige Sichtbarkeit als Option für jeden Baustein einstellbar).
  • Checklisten bereitstellen, die transparent machen, wann im Semesterverlauf welche Leistung erbracht werden muss (Beispielfunktionen in OLAT: „Checkliste“, „Kalender“).
  • metakognitive Kompetenzen fördern, indem Sie Studierende in Arbeitsanweisungen zur Reflexion über ihr Vorwissen und ihren Lernstand sowie zum Setzen eigener Ziele und deren Überprüfung auffordern (Beispielfunktion in OLAT: Lerntagebuch in der ePortfolioaufgabe).

2. Soziale Eingebundenheit

Das Gefühl sozialer Eingebundenheit im Rahmen virtueller Lehrveranstaltungen herzustellen, ist aufgrund der räumlichen Distanz eine besondere Herausforderung. Dennoch bieten auch digitale Settings verschiedenen Möglichkeiten, soziale Interaktionen zwischen Studierenden und Dozierenden sowie zwischen Studierenden untereinander zu fördern, um ein Gefühl der Eingebundenheit zu vermitteln:

  • Zeichnen Sie sich für Instruktionen, Erläuterungen oder Feedback immer mal wieder auf Video auf (z.B. über den Mediasite Desktop Recorder) und stellen Sie diese Videos über die Lernplattform zur Verfügung. Studierenden haben so eher das Gefühl mit einer echten Person zu interagieren und nicht nur den Anweisungen auf einer Lernplattform zu folgen. Für einen allgemein sparsamen Umgang mit Videos empfiehlt sich jedoch eine ausgewählte Nutzung.
  • Beteiligen Sie sich auch als Lehrende*r regelmäßig aktiv an Diskussionen in Foren.
  • Fördern Sie den inhaltlichen Austausch unter den Studierenden, indem Sie Gruppenarbeiten vergeben, Diskussions- oder Peer-Feedback-Aufträge entwerfen und auf der Lernplattform die entsprechenden Werkzeuge aktivieren (Beispielfunktionen in OLAT: „Wiki“, „Forum“, „Dateidiskussion“, „Blog“, „Podcast“,  „Peer Review“ im Rahmen von „Aufgaben“). Auch Videokonferenz- oder Chat-Tools können für den Austausch genutzt werden. Um die Beteiligung aller zu unterstützen, sollten Sie die Studierenden in kleinere Diskussionsgruppen aufteilen.
  • Geben Sie den Studierenden zu Semesterbeginn die Aufgabe, sich kurz vorzustellen (Beispielfunktionen in OLAT: „Steckbrief“). Informationen zum persönlichen Hintergrund, zum inhaltlichen Interesse am Kursthema oder zu den Erwartungen an die Veranstaltung helfen dabei, die Anonymität einer Online-Veranstaltung zu überwinden und sich als Teil einer Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden wahrzunehmen. Gegenseitige Bekanntheit fördert darüber hinaus die aktive Beteiligung an Forendiskussionen.

3. Autonomie

Autonomie meint in diesem Kontext das Bedürfnis nach Kontrolle über den eigenen Lernprozess und dem Wunsch, eigene Entscheidungen treffen zu können. Dies kann sich sehr positiv auf den individuell wahrgenommenen Wert von Lerninhalten und -prozessen für die eigenen Ziele auswirken.

  • Vermeiden Sie es, durch zu detaillierte Vorgaben die Spielräume der Studierenden für eigene Lernentscheidungen einzuengen. Ermuntern Sie die Studierenden stattdessen zum selbstständigen Agieren. Statten Sie Ihre Online-Lehre mit Elementen aus, in denen die Studierenden Handlungsfreiräume haben und selbst Entscheidungen gemäß den eigenen Präferenzen treffen können. So können Sie z.B. …
  • Wahloptionen hinsichtlich der zu behandelnden oder zu vertiefenden Inhalte zur Verfügung stellen, wenn Sie dies für sinnvoll halten.
  • mehrere alternative Formate zur Realisierung von Aufgaben oder Arbeitsaufträgen zur Wahl stellen (Präsentation, Poster, Podcasting, Text o.ä.).
  • die Reihenfolge der zu bearbeitende Aufgaben freistellen.

Literatur:

Deci, Edward L. and Ryan, Richard M. eds. (2006). The Handbook of Self-Determination Research. University of Rochester Press.

Prenzel, M. (1997). Sechs Möglichkeiten, Lernende zu demotivieren. In H. Gruber & A. Renkl (Hrsg.), Wege zum Können. Determinanten des Kompetenzerwerbs (S. 32-44). Bern: Huber.

Aktualisiert am 13. Oktober 2020

War dieses Tutorial für Sie hilfreich?

Ähnliche Artikel

Keine Antwort auf die gesuchte Frage?
Klicken Sie auf den folgenden Link, um unser Team zu kontaktieren.
Beratung