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Einsatz von generativer KI im Studium – Handlungsempfehlungen für Studierende

Hinweis: Diese Handreichung ist Teil eines umfassenderen Unterstützungsangebotes zum Thema generative KI in Lehre und Studium. Für allgemeine Empfehlungen, Hinweise und weitere Handreichungen besuchen Sie Empfehlungen im Umgang mit generativer KI in Studium und Lehre.

Was ist beim Einsatz von KI im Studium zu beachten?

Dürfen Sie KI-Tools nutzen?

Gerade wenn Sie vorhaben, KI im Prüfungskontext (z.B. beim Schreiben von Hausarbeiten) einzusetzen, müssen Sie unbedingt mit Ihren Dozierenden besprechen, was im Rahmen der Lehrveranstaltung und Prüfungsordnung erlaubt und verboten ist. Denn je nachdem, welche Fähigkeiten geprüft werden, kann es gute Gründe für oder gegen den KI-Einsatz geben. Falls Ihre Dozierenden noch keine klaren Ansagen gemacht haben, suchen Sie das Gespräch mit ihnen! Ansonsten müssen Sie aktuell davon ausgehen, dass das Fehlen einer expliziten Erlaubnis einem Verbot gleichkommt.

Sollten Sie KI-Tools nutzen?

Außerhalb (und ggf. innerhalb) von Prüfungssituation können KI-Tools beim Lernen, Schreiben und der Studienorganisation hilfreich sein. Sie können aber auch glaubhaft lügen und schlechte Ratschläge geben. Weil sich oft nicht nachvollziehen lässt, woher generierte Informationen stammen, sind sie fundamental unwissenschaftlich. Wenn Sie KI im Studium einsetzen möchten, sollten Sie ihr deshalb grundsätzlich skeptisch begegnen. Trotzdem ist es sinnvoll, sich mit den Stärken und Schwächen der Tools auseinanderzusetzen, um reflektierte Entscheidungen über ihre Nutzung zu treffen.

Außerdem gilt für KI-Anwendungen, was für die meisten Webseiten gilt: Wenn sie umsonst sind, bezahlen Sie wahrscheinlich mit Ihren Daten. Überlegen Sie sich also gut, was Sie preisgeben möchten. Insbesondere ist es problematisch, persönliche Daten und urheberrechtlich geschütztes Material einzugeben (z.B. wissenschaftliche Texte, die einem Verlag gehören). Siehe hierzu auch die allgemeinen Empfehlungen im Umgang mit generativer KI in Studium und Lehre.

Wie können Sie KI-Tools nutzen?

Grundsätzlich gilt: Betrachten Sie KI nicht als Assistenten, der Ihnen unliebsame Aufgaben komplett abnimmt, sondern als Werkzeug, das Ihre bestehenden Lern- und Schreibgewohnheiten erleichtern und ergänzen kann. Auf den nächsten Seiten finden Sie Anregungen, wie KI in den Studienalltag (Abschnitt 1) und das wissenschaftliche Schreiben (Abschnitt 2) integriert werden kann.

ACHTUNG

> Informieren Sie sich bei Dozierenden, ob KI-Tools im Prüfungskontext erlaubt sind.
> KI-Tools wie ChatGPT sind keine zuverlässigen Informationsquellen.
> KI-Tools können Aspekte des Studiums unterstützen, aber nicht ersetzen.
> Die meisten KI-Tools speichern und verarbeiten Ihre (persönlichen) Daten.

Weiterführende Informationen
Weitere wichtige Hinweise finden sich in den allgemeinen Empfehlungen im Umgang mit generativer KI in Studium und Lehre.

Wie kann KI beim Lernen und der Studienorganisation unterstützen?

Bei der Nutzung von generativer KI zum Lernen müssen Sie im Hinterkopf behalten, dass den Tools meist keine Wissensdatenbanken zugrunde liegen. Die generierten Ergebnisse werden nicht auf inhaltliche Korrektheit geprüft, und es besteht die Gefahr, dass sie Fehlinformationen enthalten. Dennoch gibt es Möglichkeiten, KI-Tools in Lernprozesse einzubinden:

  • Semestervorbereitung: Auf Grundlage von Literaturlisten oder Skripts kann eine KI mögliche Schwerpunkte in der Lehrveranstaltung identifizieren und kurze Zusammenfassungen dazu schreiben. Das verschafft Ihnen einen Überblick über das Semester und hilft dabei, die Inhalte einzelner Sitzungen/Abschnitte des Skripts in den Gesamtzusammenhang einzuordnen.
  • Studienorganisation/Semesterplanung: Besonders in größeren Studiengängen werden viele verschiedene frei wählbare Module angeboten, die sich teils zeitlich überschneiden. KI-Tools können Wochenpläne vorschlagen, um einen Überblick über verschiedene Kurskombinationen zu geben. Bei der Vorbereitung auf Klausuren kann ein tabellarischer Lernplan generiert werden, indem Sie Themen, verfügbare Zeit und ggf. Schwerpunkte angeben. 
  • Seminarlektüre/Sitzungsvorbereitung: Siehe Lesen und Exzerpieren.
  • Übersetzungshilfen: KI-Tools zur Übersetzung in oder aus Fremdsprachen sind bereits weit verbreitet. Auch hier sollten Sie vor allem auf wissenschaftliche Formulierungen achten, die in Übersetzungen oftmals verloren gehen können bzw. durch KI vereinfacht werden. Zudem kann eine Übersetzungs-KI nicht nur in eine andere Sprache übersetzen, sondern auch alte Schriftarten wie bspw. Sütterlin und Fraktur in das römische Alphabet übertragen. 
  • Mathematische Aufgaben lösen: In den MINT-Fächern wird oftmals ein mathematisches Grundverständnis vorausgesetzt, doch oft scheitert es daran, den Rechenweg nachzuvollziehen. Dabei können KI-basierte Tools helfen, wenn sie darauf spezialisiert sind (z.B. Wolframalpha). Textgenerierende KIs wie ChatGPT sind hier jedoch besonders skeptisch zu betrachten, da ihre probabilistische Funktionsweise der notwendigen Exaktheit mathematischer Argumentation entgegensteht. Selbst bei richtigen Antworten können KIs kleine Fehler in Beweisführungen einbauen und so das Verständnis verzerren.
  • Prüfungsvorbereitung (Inhalte): Eine inhaltliche Prüfungsvorbereitung sollte nur bei engen Textarbeiten oder naturwissenschaftlichen Grundlagenfächern verwendet werden. Das Einspeisen bereits behandelter Aufgaben und Generieren von ähnlichen Aufgabentypen kann beim Vorbereiten auf Klausuren eine nützliche Ergänzung sein. Darüber hinaus ist eine Anwendung von KI-basierten Tools zur Prüfungsvorbereitung mit Vorsicht zu betrachten, da von KI-Anwendungen generierte Ergebnisse nicht auf inhaltliche Korrektheit geprüft werden und die Gefahr besteht, dass sie Fehlinformationen enthalten. Diese Gefahr wird größer, je stärker es sich bei den jeweiligen Themen um Nischenthemen handelt.
  • Softwareentwicklung: In einigen Fächern gehört das Programmieren von Anwendungen zum Lehrplan oder man benötigt Software zur Analyse von Daten oder zum Automatisieren von Prozessen. Auch hier kann generative KI unterstützen. Sie kann Code generieren, basierend auf spezifischen Anforderungen, was die Entwicklungsgeschwindigkeit erhöht und manuelle Arbeit reduziert. Darüber hinaus kann sie zur Codeüberprüfung und -korrektur beitragen, indem sie auf mögliche Fehler hinweist und Korrekturvorschläge unterbreitet. Wie bei der Generierung von Text müssen Sie auch hier die Ergebnisse kritisch reflektieren und auf Richtigkeit überprüfen. 

Wie kann KI bei Schreibprozessen unterstützen?

Wissenschaftliches Schreiben ist eine komplexe Fähigkeit, die Sie sich über das Studium hinweg Stück für Stück aneignen. Aber müssen Sie sich diese Mühe überhaupt noch machen, wenn die KI das Aufschreiben übernehmen kann? Ja und nein. Einerseits ist es relativ einfach, per Knopfdruck einen passablen Text zu generieren, wenn Sie Inhalte genau vorgeben und generierte Outputs kritisch prüfen. Das ist eine Chance, um Bildungsgerechtigkeit zu verbessern (gute Ideen werden wichtiger als gute Ausdrucksfähigkeit). Andererseits sind mit dem wissenschaftlichen Schreiben auch essenzielle Fähigkeiten wie kritisches Denken verknüpft, die verloren gehen könnten, wenn Mensch nicht mehr selbst schreibt. Oft wird uns erst beim Schreiben von Rohfassungen klar, welche Konzepte wir noch nicht so richtig verstanden haben, welche Argumente besser oder schlechter funktionieren und was der rote Faden des Textes ist. Schreiben ist somit ein Denk- und Lernwerkzeug.

Damit diese Aspekte des wissenschaftlichen Schreibens erhalten bleiben, müssen bestimmte Teile des Prozesses weiterhin bei Ihnen als Autor*in bleiben. Am wichtigsten ist, dass Sie alleine die Verantwortung für Ihren Text tragen, also ganz bewusst Entscheidungen über Inhalt und Stil treffen, Argumente entwickeln, Informationen prüfen und sich mit der vertretenen Position identifizieren können. 

Im Folgenden machen wir einige konkrete Vorschläge, wie die Integration von KI in den Schreibprozess unter diesen Bedingungen gelingen kann.

Achtung: Bei Texten, die Sie als Prüfungsleistung schreiben (z.B. Haus- und Abschlussarbeiten), müssen Sie unbedingt mit Ihren Betreuer*innen besprechen, ob und wofür KI-Tools genutzt werden dürfen.

Phase im SchreibprozessUnterstützung durch KIEigenanteil
Themenfindung und LiteraturrechercheBrainstorming
Grober Themenüberblick
Schwerpunktsetzung
Wissenschaftliche Quellen finden
Lesen und ExzerpierenZusammenfassung/Gliederung für ersten Überblick
Textpassagen vereinfachen
Gründliches Lesen
KI-generierte Texte überarbeiten
RohfassungAusformulieren von Stichpunkten
Kooperatives Freewriting
Stichpunkte festhaltenSchreiben, um eigene Gedanken zu klären
KI-generierte Texte überarbeiten
ÜberarbeitenVerschiedene Textversionen generierenStil/Perspektive anpassenPassende Textversion aussuchen und anpassen
Menschliches Feedback einholen
Sprachliche KorrekturSpezialisierte Tools wie DeepL Write und Duden MentorPrüfen, ob Bedeutung verändert wurde

Themenfindung und Literaturrecherche

Brainstorming
In der Planungsphase können Sie KI zum Brainstorming nutzen, indem Sie z.B. zu einem selbstgewählten Thema mehrere Fragestellungen oder Gliederungsvorschläge generieren lassen. Die Ergebnisse, die Ihnen am besten gefallen, können Sie miteinander kombinieren und weiterentwickeln. Lassen Sie sich inspirieren und folgen Sie Ihren Interessen, aber überprüfen Sie auch immer wieder kritisch, ob das Vorhaben im gegebenen Rahmen umsetzbar ist (s.a. Schreibzentrum: Fragestellungen).

Literaturüberblick

Um einen groben Überblick über ein Thema zu gewinnen, kann eine KI-generierte Zusammenfassung des Forschungsstands nützlich sein. Besonders hilfreich sind Anwendungen, die Sprachmodelle mit Literaturdatenbanken verknüpfen.

Achtung: Sprachmodelle wie ChatGPT erfinden oft Quellen oder fassen sie ungenau, teils falsch zusammen. Außerdem wird meist nur bekannte, englischsprachige, digital verfügbare Literatur genannt. Ein KI-generierter Forschungsstand muss zwingend auf Korrektheit und Vollständigkeit geprüft werden. Oft ist es effektiver, direkt im UB-Suchportal und in Fachdatenbanken nachzuschlagen.

Lesen und Exzerpieren

Lesen mit KI vorbereiten
Mit KI-generierten Zusammenfassungen oder Gliederungen können Sie sich vor dem eigentlichen Lesen einen Eindruck vom Ziel und Aufbau eines Textes machen. Während Sie den Text anschließend selbst lesen, sollten Sie die generierte Zusammenfassung/Gliederung verbessern und ergänzen. Höchstwahrscheinlich wird Ihnen auffallen, dass der KI-Output lückenhaft und oberflächlich ist, aber indem Sie sich kritisch mit ihm auseinandersetzen, können Sie daraus ein brauchbares Exzerpt machen.

Achtung: Die Eingabe fremder Texte in ein KI-Tool kann eine Urheberrechtsverletzung darstellen! Siehe dazu die Informationen in den allgemeinen Empfehlungen im Umgang mit generativer KI in Studium und Lehre

Verständnisschwierigkeiten klären
Falls einzelne Stellen eines Textes schwer verständlich sind, können Sie sich eine vereinfachte Version der Passage generieren lassen. Zwar können dadurch Nuancen verloren gehen, aber wenigstens gewinnen Sie so einen Eindruck davon, worum es ungefähr geht – was wiederum dabei helfen kann, das Original zu verstehen. Vergleichen Sie anschließend beide Versionen und überlegen Sie sich, ob in der Vereinfachung etwas weggelassen wurde.

Rohfassung schreiben

Sie sind Autor*in des Textes, nicht die KI.

Es sind Ihre Ideen, die im Text zum Ausdruck kommen, und Sie sind dafür verantwortlich, ihre Richtigkeit zu überprüfen. KI-Anwendungen können bei der Formulierungsarbeit hilfreich sein, aber selbst zu schreiben – in Form von Notizen, Skizzen und Überarbeitungen – ist unerlässlich. Denn beim Schreiben kann viel passieren: Eine scheinbar einfache Idee stellt sich als kompliziert heraus; gute Argumente offenbaren falsche Annahmen; Quellen widersetzen sich der Paraphrase. Diese anfängliche Dissonanz zwischen dem Gedachten und Geschriebenen ist unvermeidlich, wenn ein interessanter, origineller Text entstehen soll. Mit KI lassen sich Unebenheiten schnell glätten, aber die Gefahr ist groß, dass die besten Ideen dabei unausgereift bleiben. Nutzen Sie KI zum Ausformulieren also nur in Kombination mit eigenem Schreiben oder wenn Sie bereits eine sehr gute Vorstellung davon haben, was Sie sagen möchten.

Kooperatives Freewriting
Das Freewriting ist eine Schreibmethode, bei der Sie ohne Unterbrechung einfach alles aufschreiben, was Ihnen zu einem bestimmten Thema einfällt. Mit KI-Tools können Sie diese Technik erweitern, indem Sie erst selbst ein Freewriting anfertigen und dann die KI daran anknüpfen lassen. Lesen Sie sich anschließend den generierten Text durch und schreiben Sie ausgehend davon ein weiteres Freewriting. So entwickeln Sie schrittweise Ihre Ideen weiter und behalten die Kontrolle über den Text.

Ausformulieren von Stichpunkten

Nutzen Sie Cluster (PDF), Concept Maps (PDF) o.ä., um Stichpunkte zu Ihrem Thema zu sammeln.  Anschließend können Sie die KI daraus einen Fließtext erstellen lassen, der als Anhaltspunkt für mögliche Formulierungen dient.

Achtung: Beim Ausformulieren erzeugt ein Sprachmodell plausibel klingende Aussagen, die falsch sein können. Überprüfen Sie unbedingt, inwieweit der Text Ihren Absichten entspricht und überarbeiten Sie ihn entsprechend.

Überarbeiten

Verschiedene Versionen eines Absatzes 

KI-Tools sind erstaunlich gut darin, verschiedene Schreibstile nachzuahmen. Das können Sie nutzen, um Passagen eines Textes umschreiben zu lassen, indem Sie die Autor*innenrolle der KI genau definieren. Probieren Sie z.B. aus, wie Ihr Text als Vorlesungsskript einer Professorin, als Lehrbuch für Studienanfänger*innen oder als Artikel in einem wissenschaftlichen Fachjournal klingt. Dadurch erhalten Sie viele Formulierungsvorschläge, die inspirierend für die stilistische Gestaltung der Arbeit sein können.

KI-generierte Feedbacks/Überarbeitungen
Wenn man KI-Tools nach Feedback fragt, erhält man oft plausible Antworten, aber auch diese sind kritisch zu prüfen. Entscheidend ist, dass KI eingegebene Texte nicht wirklich versteht und deshalb keinen authentischen Leseeindruck schildern kann. Menschliches Feedback – durch Kommiliton*innen, Lehrende oder Schreibberatungen – ist (noch) der einzige Weg, um eigene Kommunikationsabsichten im Austausch mit anderen zu prüfen und weiterzuentwickeln. Insbesondere sollten Sie sich nicht darauf verlassen, dass KI-Tools inhaltliche Fehler in Ihrem Text finden.

Sprachliche Korrektur und Übersetzung

Grammatik, Rechtschreibung und Stil prüfen
Eine der besten Einsatzmöglichkeiten für KI ist das Redigieren am Ende des Schreibprozesses, wenn der Text inhaltlich feststeht. Es ist immer eine gute Idee, Grammatik und Rechtschreibung prüfen zu lassen, und mit spezialisierten Tools wie DeepL Write lässt sich bis zu einem gewissen Grad stilistischer Feinschliff vornehmen. Sie müssen allerdings sicherstellen, dass die sprachliche Korrektur nichts an der Bedeutung ändert, also lesen Sie sich den Text abschließend unbedingt noch einmal durch und passen Sie ihn bei Bedarf sprachlich an.

Aktualisiert am 6. Oktober 2023

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