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Didaktische Tipps zu Kursplanung und –betreuung auf Lernplattformen

Vorab zwei Faustregel, die in Diskussionen mit eLearning-Praktikern immer wieder genannt werden, wenn es darum geht, Onlinekurse zu erstellen:

  • Geben Sie Ihren Lernenden eine inhaltliche, zeitliche und aktivitätsbezogene Kurstruktur vor, anhand der sie erkennen können was, wie und wann zu tun ist.
  • „Instructors presence“ – Seien Sie für Ihre Lernenden in der Regel mindestens einmal in der Woche aktiv auf der Plattform wahrnehmbar. Sei es, dass Sie das nächste Thema z.B. per Textnachricht an die Lerngruppe oder in einem aufgezeichneten kurzen Videostatement ankündigen oder Feedback in einem Forum oder auf eingereichte Aufgaben geben.

Inhaltliche Struktur (Lernziele, Aktivitäten, Prüfung des Gelernten)

Da in Online-Kursen in der Regel direkte Ansprechpartner*innen für die Lernenden nicht zur Verfügung stehen, die ihnen ad hoc erklären können, wo sie was finden, ist es erforderlich, dass sie sich an einer klaren visuellen Struktur orientieren können.

Überlegen Sie zunächst, ob Sie Ihrer Veranstaltung eher eine zeitliche (z.B. nach Wochen) oder thematische Struktur geben wollen.

Nehmen Sie ein möglichst großes Blatt Papier und skizzieren Sie den Verlauf Ihrer Veranstaltung anhand Ihrer strukturellen Überlegungen. Lassen Sie zwischen den einzelnen Blöcken Platz für die nächsten Schritte. Alternativ sorgen PostIts oder Metaplan-Karten für Flexibilität.

Notieren Sie dann für jeden Themen- oder Zeitblock was Sie dort als Lernziele, Inhalte und Aktivitäten seitens der Lernenden vorsehen möchten. Denken Sie auch von Anfang an daran, wie Sie das Erreichen der Lernziele überprüfen können, Z.B.:

  • Lernziel für den Block
  • Kurzer Einleitungstext zur Einheit
  • Text oder aufgezeichnetes Video als Input
  • Eine Aufgabenstellung und -einreichung über die Plattform in Form einer hochgeladenen Datei bzw. mit einem entsprechenden Baustein (z.B. „Aufgabe“ in OLAT oder Moodle) 
  • Quiz zur Abfrage des Gelernten
  • [Feedbacks, Bewertungen von Ihrer Seite etc.]
  • Weiterführende Links

Versuchen Sie möglichst organisatorische von inhaltlichen Bereichen zu trennen, indem Sie z.B. für die Kursorganisation einen klar erkennbaren eigenen Bereich (z.B. Übersichtsseite, eigener Ordner „Organisatorisches“ o.Ä.) innerhalb Ihres Kurses einrichten.

Beschreiben Sie kurz in einem einführenden Text, was es mit der von Ihnen gewählten Struktur auf sich hat und wie sie zu nutzen ist.

Personelle Struktur und Verantwortlichkeiten

Während in der Präsenzveranstaltung recht schnell durch bloßes Zuschauen klar ist, wer Referent*in ist und wer dort als Mitarbeiter*in oder als Tutor*in unterstützt, ist dies in Online-Veranstaltungen nicht so einfach.

Stellen Sie sich und ggf. Ihre Helfer*innen im Kurs auf einer Seite mit ihren jeweiligen Aufgaben vor. Z.B:

  • Frau Müller, Kursleiterin, die mit dem Kurs folgendes besondere Interesse verbindet. Sie wird jede Einheit mit einem Videoinput und einer Aufgabe beginnen. Sie wird in der Regel nicht an allen Diskussionen teilnehmen und auf eingereichte Arbeiten in Zeitraum von X Tagen oder Wochen Feedback geben.
  • Herr Schmitz, Studentischer Mitarbeiter wird den Kurs organisatorisch betreuen, an Abgabefristen erinnern und organisatorische Fragen im Orgaforum beantworten.
  • Frau Maier, wissenschaftliche Mitarbeiterin unterstützt Frau Müller bei den inhaltlichen Arbeiten. Sie wird besonders bei den inhaltlich geführten Diskussionen in den Foren unterstützen und die zweiwöchigen Online-Sprechstunden leiten.
  • Frau Naumann, wird als Tutorin das begleitende Tutorium leiten und ebenfalls einen Teil der inhaltlichen Kurskommunikation übernehmen

Geben Sie an, zu welchen Zeiten Sie eventuell regelmäßig auf der Lernplattform unterwegs sind oder in Online-Sprechstunden (z.B. im Forum oder in einer Videokonferenz-Anwendung) anwesend sein werden. Überlegen Sie sich auch, in welchen Zeitintervallen Sie auf Einreichungen oder Fragen reagieren werden und/oder legen Sie Zeiten für Online-Sprechstunden fest.

Ein Bild aller Beteiligten sorgt für mehr persönliche Atmosphäre.

Überlegen Sie, ob Sie den Lernenden ebenfalls die Möglichkeit geben wollen, im Kurs sichtbar zu werden. Lernplattformen bieten die Möglichkeiten, Benutzerprofil zu pflegen, in denen Bilder und kurze Selbstbeschreibungen angelegt werden können. Dies kann auch in Form eines kurzen Forenbeitrags zu Beginn des Kurses erfolgen. Das „Vorstellungsforum“ kann anschließend für weiteres Editieren gesperrt werden.

Transparenz und Verhaltensregeln

Seien Sie transparent bezüglich der Lernziele und legen Sie Regeln für die Beteiligung und das Verhalten Ihrer Lernenden fest:

  • Welche Lernziele bestehen für den Kurs, die einzelnen Blöcke?
  • Welche Aktivitäten erwarten Sie von den Lernenden?
  • Wie sind Aufgaben zu bearbeiten und abzugeben?
  • Welche Konsequenzen könnte es für die Lernenden haben, die Aufgaben nicht fristgerecht abzugeben?
  • Wo finden und von wem erhalten die Lernenden welche Informationen?
  • Wie, wie oft, von wem sollen Forumsbeiträge geschrieben werden? 
  • Wie können Lernende technische oder inhaltliche Schwierigkeiten melden und wie können sie Unterstützung bekommen?
  • Etc.

Überlegen Sie, ob Sie den Studierenden ebenfalls die Möglichkeit geben wollen, im Kurs sichtbar zu werden. Lernplattformen bieten die Möglichkeiten Benutzerprofil zu pflegen, in denen Bilder und kurze Selbstbeschreibungen angelegt werden können. Dies kann auch in Form eines kurzen Forenbeitrags zu Beginn des Kurses erfolgen. Das Forum kann anschließend für weiteres Editieren gesperrt werden.

Zeitliche Strukturen

Die Zeit verläuft in einer Online-Veranstaltung anders als im „normalen“ Leben. Die einzige Gemeinsamkeit besteht darin, dass es meistens zu wenig davon gibt und in eher seltenen Fällen zu viel. Versuchen Sie daher, den Workload Ihrer Lernenden möglichst realistisch einzuschätzen und vermeiden Sie es, die Lernenden zu überfordern. Ein wesentlicher Teil einer Online-Veranstaltung beruht auf einer zeitlichen Taktung von Ereignissen und deren Kontrolle.

Kommunikation erfordert personelle Ressourcen. Manche Aktivitäten z.B. eine Bestätigungsmail bei Eingang kann auch durch die Lernplattform automatisiert versendet werden.Je weniger personelle Ressourcen Ihnen zur Verfügung stehen, umso mehr werden Sie auf direkte, individuelle Interaktion verzichten müssen. Sollten Sie z.B. nicht auf Tutor*innen oder andere personelle Unterstützung zurückgreifen können, empfiehlt sich statt dem Erstellen von individuellen Feedbacks auf Aufgaben der Lernenden die Etablierung von Peer-Feedback zwischen den Lernenden und/oder dem Hochladen von Musterlösungen und Checklisten. Für Peer-Feedback bieten Lernplattformen häufig auch entsprechende Bausteine an. Musterlösungen oder Checklisten können z.T. auch automatisch nach dem Hochladen von Aufgaben der Lernenden freigeschaltet werden.

Asynchron (Zeitunabhängigkeit)

Der größte Teil Ihrer Online-Veranstaltung wird im asynchronen Modus verlaufen. Alle Beteiligten können frei und zeitversetzt agieren. Diese Freiheit wird aber oftmals durch Prokrastination („Aufschieberitis“) und völliger Kommunikationsüberflutung teuer erkauft, sowohl auf Seiten der Lernenden als auch der Lehrenden und ihren Mitarbeitenden.

Asynchrone Szenarien bedürfen daher einer expliziten und klar dargestellten Taktung. Wer macht wann was? Das gilt insbesondere bei größeren Teilnehmendenzahlen. Schriftliche Kommunikation bedarf wesentlich mehr Zeit als ein mündliches klärendes Wort. Sollten Sie nicht auf Videos in asynchronen Kommunikationssettings verzichten können, beachten Sie bitte die folgenden Hinweise:

  • Produzieren Sie möglichst kurze Videos (statt 90 eher 10-15 Minuten)
  • Stellen Sie Bearbeitungsinstruktionen zu den Videos bereit: Was ist zu lesen, welche Aufgaben sind zu lösen, welche Internetressourcen können ergänzend verwendet werden etc.?

Stellen Sie die Inhalte frühzeitig (mind. 2 Tage) vor einem Präsenztermin bereit. Verteilen Sie Abgaben, Bewertungen und Feedbacks ggf. auf einen längeren Zeitraum. Regeln Sie innerhalb Ihres Teams, wer auf welche Anfragen in welchem Zeitturnus reagiert. Teilen Sie auch dies Ihren Lernenden mit.

Takten Sie Abläufe mit Erinnerungen und Meilensteinen, gerade bei umfangreicheren Arbeiten. Z.B.

Essay schreiben bis zum x.x.xxxx

            Erinnerung

Meilenstein 1: Abstract

            Ggf. Nachfragen Fristverlängerung

            Erinnerung

Meilenstein 2: Gliederung

            Ggf. Nachfragen Fristverlängerung

            Erinnerung

Meilenstein 3: 1. Ausformulierung

            Ggf. Nachfragen Fristverlängerung

            Erinnerung

Meilenstein 4: Feedback (Peer oder Dozent*in/Team)

            Ggf. Nachfragen Fristverlängerung

            Erinnerung

Meilenstein 5: Abgaben

            Ggf. Nachfragen Fristverlängerung

Bewertung

Kommunikation in Form von Erinnern und Nachfragen dienen hier nicht nur der Erfüllung von Aufgaben, sondern auch als Sensor für die Anwesenheit der Dozierenden.

Synchron (zeitgleiche Anwesenheit von Dozent*innen und Lernenden in einem virtuellen Raum)

Synchrone Sitzungen in Videokonferenzen oder Chats kommen unserem normalen präsenten Zeitempfinden entgegen. Sie haben in der Regel einen definierten Anfang und ein definiertes Ende und werden zu fest vereinbarten Zeiten durchgeführt. Technisch sind sie anspruchsvoller und störungsanfälliger. Deswegen sollten Sie möglichst asynchrone Kommunikation planen oder zumindest eine asynchrone Notfallplanung vornehmen.

Planen Sie insbesondere bei Videokonferenzen 15 – 30 Minuten Vorlauf ein, um eventuelle technische Schwierigkeiten abfangen zu können. Führen Sie eine Probesitzung durch. 

Machen Sie die Studierenden vor Inhaltsbeginn mit den wichtigsten Kommunikationsregeln vertraut (z.B. Benutzen der Mute-Funktion, Melde-Procedere, Netiquette). 

Synchrone Sitzungen sollten möglichst anhand einer Agenda strukturiert werden, die vorher eventuell erfragt und verschickt wird. Natürlich sind auch Brainstormingszenarien denkbar.

Eine synchrone Sitzung sollte 60 Minuten nicht überschreiten. Bei größeren Gruppen (ab 10) ist eine Co-Moderation äußerst sinnvoll insbesondere dann, wenn die Teilnehmenden intensiv Fragen stellen sollen. Sie können sich z.B. von einer/m Studierenden oder einer studentischen Hilfskraft bei der Moderation unterstützen lassen (z.B. über Begleitchat). Parallel zu diskutieren und moderieren kann digital überfordern.

Literaturempfehlung für Methoden und Aktivierungen:

  • 101 e-Learning Seminarmethoden: Methoden und Strategien für die Online-und Blended Learning Seminarpraxis, Hartmut Häfele & Kornelia Maier-Häfele (2020, 6. Auflage)
  • 150 kreative Webinar-Methoden, Zamyat M. Klein (2019)

Weitere Tipps zur Kurs- und Veranstaltungsplanung finden Sie im Artikel Planungsaspekte für Online- und Blended-Learning-Szenarien in welchem die Thematik noch einmal entlang eines didaktischen Theoriemodells beleuchtet wird.

Aktualisiert am 21. September 2020

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